5 Erkenntnisse, die ich aus 31 Tagen zeichnen mitgenommen habe
Jeden Tag für 31 Tage zeichnen! Das habe ich nicht geschafft, denn auch ich habe neben meinen freien Projekten auch noch einen Vollzeitjob und andere Interessen. Aber ich habe es geschafft, in einem Monat 31 Seiten in meinem Skizzenbuch zu füllen. Manche mehr und manche weniger schön.
»Masse statt Klasse!«
Mein Anliegen war es, eine regelmäßige Zeichen-Routine zu entwickeln. Denn wie so viele andere, struggle ich meinen eigenen Stil zu finden. Mir ist schon lange klar, dass ich meine visuelle Handschrift nur über Zeit, aber vor allem mit einer täglichen Praxis entwickeln kann. Ganz nach dem Plädoyer: Masse statt Klasse! Und da bot sich mir wie jedes Jahr der Oktober an. In diesem Monat findet auf Social Media und vor allem auf Instagram ein kreativer Zeichenwahn statt zu den bekannten #inktober oder in meinem Fall #peachtober Hashtags. Ziel ist es, jeden Tag ein Bild zu einem bestimmten Thema oder auch Technik mit der Welt zu teilen. Zig Tausende Bilder werden in diesem Monat hochgeladen. Man entdeckt unfassbar viele neue Künstler*innen und tauscht sich aus. Was ich während diesen einen Monat so alles gelernt habe. Stelle ich euch im folgenden dar. :)
Prompt Liste von der Illustratorin »furryltittlepeach«
Prompts helfen bei der Angst vorm leeren Blatt
Das Schöne an diesem kreativen Oktober ist, dass viele verschiedene Künstler*innen eine Liste mit Prompts zur Verfügung stellen. Also muss man sich nicht selber die Mühe machen, die Frage zu beantworten: Und was zeichne ich heute? Man kann sich aus der Vielfalt von Auswahlmöglichkeiten die für sich passende Prompliste aussuchen und starten.
2. Referenzen helfen beim Loslegen
Es ist kein Verbrechen, von Vorlagen abzuzeichnen. Ich weiß nicht aus dem Kopf heraus, wie ein Fahrrad genau aussieht. Und da finde ich es nur legitim, sich z. B. auf Pinterest ein Board mit Referenzen zu erstellen oder auch ganz simpel auf Google Bilder danach zu suchen. Warum sollte man es sich diesen einen Monat noch schwerer machen, als es eh schon ist! Jeden Tag zeichnen, das ist schon ein Commitment für sich. Und jede professionelle Illustrator*in erstellt vor einem Projekt Sketch Studies von dem jeweiligen Thema.
3. Niemals zwei Tage hintereinander aussetzen
Klar, jeden Tag zeichnen ist schon eine Ansage. Und deswegen ist es auch nur verständlich, wenn man es einmal nicht schafft. Ich bin ein Fan von Balance und Gleichgewicht (nicht das ist gut darin bin). Man sollte nicht hart mit sich ins Gericht gehen, wenn das Leben eben mal passiert. Was aber wichtig ist, um eine Routine zu etablieren, ist nicht den Tag danach auch wieder auszusetzen. Denn ansonsten verfällt man dem inneren Schweinehund und es wird umso schwieriger wieder neu anzufangen, weil man ein zu schlechtes Gewissen hat.
4. Aller Anfang ist einfach, aber das Durchhalten schwer
Zu Beginn des Monats war ich noch voller Vorfreude. Ich habe mir extra Zeichenmaterial und Skizzenbücher gekauft. Habe voller Spaß morgens vor meinem eigentlichen Vollzeitjob mir 30 Minuten bis 1 Stunde Zeit genommen zu zeichnen. Die ersten Tage waren einfach. Ich hatte Ideen zu den Prompts und fand es super, mein neu gekauftes Material auszuprobieren. Doch ab Woche zwei hatte ich kein Interesse mehr. Meine kindliche Neugier und Leichtigkeit vom Anfang war auf einmal verpufft. Ich fand es schwer Motive zu finden, war unzufrieden mit meinen Bildern, wusste nicht wie ich mein Material noch einsetzen kann und fand keinen einheitlichen Stil. Geduld war hier gefragt und das führt auch zu meiner letzten Erkenntnis.
5. Meine innere Kritikerin darf gern zuschauen, aber niemals den Stift in die Hand nehmen
Was ich damit sagen will ist, dass diese kleine fiese Stimme im Kopf nicht verschwindet. Sie wird immer da bleiben. Sie wird versuchen mich von meinem Vorhaben abzulenken, mir negative Gedanken in meinen Kopf zu pflanzen und meine Unsicherheit mit Zweifel zu düngen. Anstatt ihr aber nachzugeben, indem ich ihr recht gebe oder versuche ihr keine Aufmerksamkeit zu schenken (denn das macht sie nur noch wütender), begrüße ich sie herzlich. Sie ist willkommen, über die Schulter zu schauen. Sie darf gern beobachten, was ich da so treibe. Aber ich selber bestimme, welche Farbe ich wähle. Anstatt auf ihren Kommentar »Nah, das sieht bei anderen aber viel besser aus!« mit meinem Zweifel zu reagieren »Mhhh, ja stimmt. Ich bin einfach nicht gut genug.« Versuche ich aus der Beobachterperspektive zu antworten »Hallo meine Liebe. Ich weiß, du willst nur das Beste für mich und deswegen machst du dir bestimmt auch so viele Sorgen. Wahrscheinlich willst du nicht, dass ich verletzt werde. Aber ich lerne gerade und dafür brauche ich Zeit. Also gib mir bitte den Raum, damit ich weiter in Ruhe zeichnen kann. Danke.«
Auf meinem Instagram Account @jacciullmann kannst du meinen kreativen Illustrationsprozess verfolgen!